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Arzneikosten ???

Steigen sie, fallen sie, bleiben sie gleich ?

Als Ende 2003 bekannt wurde, daß die Zuzahlungen zu Arzneimitteln ab 1.1.2004 deutlich ansteigen würden und daß für den Besuch beim Arzt eine Praxisgebühr fällig werden würde, haben die Patienten nachvollziehbar für sie ökonomisch sinnvoll reagiert und sich ihre Dauermedikation noch im Dezember verschreiben lassen. Dieser sogenannte Vorzieheffekt führte dazu, daß im Dezember 2003 der Apothekenumsatz um über 30 % höher lag als im Dezember 2002.

Deshalb muß Jedem klar sein, daß bis zum Aufbrauchen der im Dezember erhaltenen Packungen Anfang 2004 weniger verordnet werden würde.

Nur dem Bundesgesundheitsministerium unter Ulla Schmidt (SPD) scheint das nicht klar zu sein. In dem Bemühen, dem Bürger die erheblichen Mehrbelastungen durch das Gesundheitssystem-Modernisierungs-Gesetz (GMG) schmackhaft zu machen, versuchte es, die Minderaufwendungen für Arzneimittel im Januar und Februar als grandiosen Erfolg des GMG zu verkaufen. Und versucht es immer noch. Lesen Sie Auszüge aus drei Pressemitteilungen:

 

Krankenkassenausgaben für Arzneimittel schon wieder auf Vorjahresniveau – Kostendämpfung der Gesundheitsreform wird nicht erreicht

Ungeachtet der massiven Eingriffe der Gesundheitsreform liegen die Arzneimittelausgaben im ersten Quartal 2004 in einem rasanten Aufwärtstrend. Der Abstand zum Vorjahr ist im März 2004 bereits auf minus 1,6 Prozent geschrumpft. Für eine Entwarnung gebe es im Arzneimittelbereich somit keinen Anlass, so die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Es wiederhole sich das Schicksal des Beitragssatzsicherungsgesetzes.

Nach einem Ansturm auf die Arztpraxen im Dezember 2003 mit einem Ausgabenplus von bundesweit rund 34 Prozent waren die Arzneimittelausgaben im Januar 2004 um minus 30 Prozent und im Februar um minus 18 Prozent eingebrochen. Im März 2004 (minus 1,6 Prozent) ist der Vorzieheffekt des GKV-Modernisierungsgesetzes im Bundesdurchschnitt jedoch bereits abgeklungen. Bei einigen Kassenärztlichen Vereinigungen sind Zuwächse bis zu plus 6 Prozent zu verzeichnen.

Der Trend ist besorgniserregend, wenn man die gesetzlichen Sparmaßnahmen betrachtet: Begrenzung der Versorgung auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, erhöhte Zuzahlung und Umstellung der Arzneimittelpreise. Zusammen mit weiteren Neuregelungen unter anderem beim Herstellerabschlag sollten die Krankenkassen um rd. 12 Prozent dauerhaft entlastet werden.  ...

aus: Gemeinsame Presseerklärung der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen vom 4.5.2004

 

Vorzieheffekte gehen zu Ende

Berlin, 4. Mai 2004 – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weist die pauschale Schelte der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen gegen das Verordnungsverhalten der Vertragsärzte entschieden zurück. „Die Arzneimittelvorräte der Patienten sind inzwischen aufgebraucht. Im Januar und Februar schlugen die Vorzieheffekte von Dezember 2003 voll durch. Diese lassen nun nach. Es ist kein Wunder, dass die Arzneimittelausgaben nach den Einbrüchen Anfang des Jahres wieder ansteigen“, erklärte heute der Zweite Vorsitzende der KBV, Dr. Leonhard Hansen, in Köln. ...

Weitere Kritikpunkte der KBV: Bei der Preisentwicklung (BKK-BV: minus 1,2 Prozent bis März 2004) wird eine so genannte „Warenkorb-Betrachtung“ angewendet. Diese geht nur von einem Vergleich von Arzneimitteln aus, die im vergangenen Jahr schon auf dem Markt waren. Neueinführungen von wichtigen und kostspieligen innovativen Spezialpräparaten bleiben bei dieser Preisbetrachtung außen vor, so dass die tatsächliche Teuerungsrate in der Arzneimitteltherapie regelmäßig kaschiert wird. ...

aus einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vom 04.05.2004

 

Erfolg der Gesundheitsreform: Arzneimittelausgaben auf dem niedrigsten Stand

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung stellt klar: Die Arzneimittelausgaben sind nach den vorläufigen Zahlen im 1. Quartal 2004 um über 900 Mio. Euro gesunken. Das ist der höchste Rückgang der Arzneimittelausgaben, der jemals in einem Quartal erfolgt ist und ein positives Ergebnis der am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsreform.

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung weist Versuche zurück, die eingetretenen Ausgabensenkungen klein zu rechnen. Abschließende Daten über die einzelnen Komponenten der Ausgabenentwicklung liegen noch nicht vor. Alles andere sind ungesicherte Spekulationen.

Durch die Gesundheitsreform hat der Gesetzgeber umfangreiche Maßnahmen getroffen, durch welche die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung bei den Arzneimittelausgaben um mehr als 3 Mrd. entlastet werden. ...

aus einer Pressemitteilung vom 04.05.2004 des Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung

 

Da Großpackungen meist 100 Stück enthalten und bei einmal täglicher Einnahme 100 Tage bzw. etwa drei Monate halten, wäre erklärt, warum im März die Verordnungszahlen wieder gestiegen sind. Dieser rhythmischen Anstieg im dritten Quartalsmonat würde noch einige Quartale anhalten können, bis sich die Ausgaben einpendeln. Insgesamt werden sie im Jahresverlauf also niedriger sein als im Jahr 2003, aber sicher nicht so niedrig, wie sich das Gesundheitsministerium das aufgrund des Januar und Februar ausrechnet.  

Sie entscheiden wieder: Wer hat nix kapiert ?
1.  Ulla Schmidt und ihr Ministerium
2.  Die Krankenkassen
3.  Die Kassenärztliche Vereinigung

Hans-Peter Meuser, 05.05.2004

 

Ärzteverein Südkreis Mettmann e.V.