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Rebscher (DAK): Milchmädchen oder Schlingel ?

Mit folgender falscher Rechnung erfreut DAK-Vorstandsmitglied Rebscher die dpa, und viele Zeitungen drucken es ungeprüft. Hier ein Zitat aus der Frankfurter Rundschau (online-Version vom 12.10.03, Zitat in blauer Schrift) :

DAK-Vorstand Rebscher sagte: "Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie eine Partei wie die CDU, die sich die Stärkung der Familie auf die Fahnen geschrieben hat, so etwas beschließen kann." Die Kaufkraft gerade von jungen Familien würde enorm geschwächt. Derzeit bezahlt eine Familie mit zwei kleinen Kindern und einem Monatseinkommen von rund 3 500 Euro nach Angaben Rebschers etwa 210 Euro für die Krankenkasse. Nach Einführung der Kopfpauschale müssten beide Elternteile jeweils um die 260 Euro für die Krankenkasse bezahlen. Das wären mehr als 500 Euro. 

Was daran falsch gerechnet ist ? Ganz einfach (Adam Riese):

Bei einem Monatseinkommen von 3.500 Euro beträgt der monatliche Beitrag nicht 210 Euro, sondern 500 Euro  (durchschnittlicher Beitragssatz von 14,3 % in der GKV) bzw. 532 Euro (bei Rebschers DAK mit 15,2 %). )* Davon zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je die Hälfte.

Die von Rebscher genannten 210 Euro wären der Arbeitnehmeranteil bei 12 % Beitragssatz (also einer "Billig-BKK", die von den Ersatzkassen als Konkurrenten so gerne heftig angegriffen werden).

Nach dem Herzog-Konzept soll aber der Arbeitgeberanteil bei Einführung der Gesundheitsprämie (Kopfpauschalen) an den Arbeitnehmer ausgezahlt bzw. zur alleinigen Finanzierung des Krankengeldes verwandt werden.

Es ist also unzulässig, nur den heutigen Arbeitnehmerbeitrag der Herzogschen Gesamt-Gesundheitsprämie gegenüberzustellen. Das weiß Rebscher (oder müßte es wissen), tut es trotzdem. Warum ? Des demagogischen Kurzfrist-Effektes wegen ?

Ein korrekter Vergleich würde Herzogs Gesundheitsprämie dem aktuellen derzeitigen durchschnittlichen GKV-Beitrag gegenüberstellen. Dann geht es um 528 Euro nach Herzog gegenüber derzeit 500 Euro oder bei Rebschers DAK sogar 532 Euro )*. Kein großer Unterschied.

Fazit: Es ist unzulässig, irgendetwas, was ein Gesundheitspolitiker sagt, oder was irgendwo in der Zeitung steht, für bare Münze zu nehmen oder gar ohne eingehende Überprüfung für wahr zu halten.

Wir haben Herrn Rebscher am 15.10.03 per E-Mail folgende Fragen gestellt und werden seine Antwort hier öffentlich machen (sofern eine bei uns eingeht):

1. Warum nehmen Sie als Basis Ihres Vergleiches den Beitragssatz einer Billigkasse von 12 % ?
2. Warum unterschlagen Sie, daß beim Herzog-Modell der Arbeitnehmer den Arbeitgeberanteil ausgezahlt bekommt, obwohl dieses Wissen für den Vergleich unverzichtbar ist ?  
3. Warum versuchen Sie, der Bevölkerung weiszumachen, der Krankenversicherungsbeitrag nach dem Herzog-Konzept würde sich gegenüber heute für eine vierköpfige Familie mit 3500 Euro Einkommen mehr als verdoppeln ?
4. Haben Sie etwa keine echten Argumente gegen die Gesundheitsprämie ?

Hui, heute, am 28.1.2004, nach dreieinhalb Monaten, haben wir doch noch eine Antwort von der DAK-Pressestelle bekommen: Den Vorwurf, der Autor hätte nichts kapiert, und einen Aufsatz von Rebscher: "Allokationseffizienz". Unsere Antwort: "Leider gehen Sie nicht darauf ein, daß das von Herrn Rebscher gebrachte und in Kapiertnix zitierte Rechenbeispiel den einfachen Regeln von Adam Riese nicht genügt."

)* Bei den Berechnungen wird von einem beitragspflichtigen Einkommen von monatlich 3.500 Euro ausgegangen, um mit glatten Zahlen rechnen zu können. Tatsächlich unterliegen aber 2003 nur 3.450 Euro und 2004 nur 3.487,50 Euro der Beitragspflicht. Die tatsächlichen monatlichen Krankenversicherungsbeiträge bei 3.500 Euro Bruttoverdienst liegen also 2003 um etwa 7 Euro, 2004 um etwa 2 Euro niedriger als oben angegeben.

Hier, liebe Leser, können Sie sich ein eigenes Urteil bilden:

Wer hat nix kapiert ?
1. DAK-Chef Rebscher
2. der Autor von Kapiertnix.de

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Zitieren erlaubt mit Quellenangabe: www.kapiertnix.de

Autor: Hans-Peter Meuser, erstellt am 15.10.2003, zuletzt aktualisiert am 28.01.2004

 

Ärzteverein Südkreis Mettmann e.V.